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Darmgesundheit und Darmbakterien – Der Spiegel

Darmgesundheit: Der Spiegel unseres Körpers?

Der Darm erfährt in letzter Zeit erhöhte Aufmerksamkeit innerhalb der medizinischen Forschung. Die Zeichen, dass die Darmgesundheit direkten Einfluss auf das allgemeine Wohlbefinden hat, sind deutlich zu erkennen. Wir sind spät dran mit dieser Erkenntnis.

Während in Europa der Darm als reines Verdauungsorgan betrachtet wird und Themen wie Verdauung und Stuhlgang eher als peinlich oder bestenfalls unterhaltsam empfunden werden, wird vor allem in Asien dem Darm viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Mit Begriffen wie „Onaka“, was so viel bedeutet wie „geehrte Mitte“, oder „Hara“, was neben „Bauch“ eben auch „Zentrum der körperlichen und geistigen Kraft“ heißt, wird dieser Teil des Körpers nahezu verehrt, denn im Darm wohnt die Seele und die Gesundheit – 80 % der Krankheiten und Allergien eines Menschen kommen aus dem Darm.

Lange wurde der Darm unterschätzt und gesundheitliche Probleme wurden als unangenehm abgetan und verschwiegen, dabei beschäftigen diese nicht gerade wenige: Etwa 10 % der Bevölkerung leiden am Reizdarmsyndrom, 15 % an Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten und rund 20 % an chronischer Verstopfung. Dazu kommt noch Stress im Alltag und ungesunde Lebensmittel.

Mittlerweile rückt die Darmgesundheit immer mehr in den Fokus und spielt auch in der ganzheitlichen Medizin eine große Rolle.

Im Darm ist das enterische Nervensystem lokalisiert – es steuert unsere Verdauungsvorgänge autonom. Dieses Nervengeflecht besteht aus rund 100 Millionen Nervenzellen und durchzieht den gesamten Magen-Darm-Trakt. Weitere Superlative folgen: Bis zu 100 Billionen Bakterien leben in einem Darm mit ausgeglichenem Ökosystem.

Diese Darmflora aus bis zu 1.000 Bakterienarten ist für den Menschen überlebenswichtig, weil sie unter anderem bei der Nährstoffaufnahme hilft und lebenswichtige Vitamine bildet. Ebenso verdrängt die Masse der Bakterien mit positiver Wirkung Krankheitskeime und verhindert auf diese Weise infektiöse Magen-Darm-Erkrankungen.

Ernährungsgewohnheiten und Darmgesundheit stehen nach aktuellen Forschungsergebnissen in direktem Bezug zueinander. Letztere steht und fällt nämlich mit den Bakterienarten der Darmflora. Deren Zusammensetzung wird zu einem großen Teil dadurch beeinflusst, was wir essen.

Eine ballaststoffreiche Ernährung soll das Risiko einer Erkrankung an Diabetes mellitus senken. Vollkornbrot, Getreideflocken, Obst und Gemüse/Hülsenfrüchte, aber auch Kartoffeln, Vollkornnudeln und Naturreis sind Quellen für Ballaststoffe und damit gesünder als herkömmliche Nudeln, Weißbrot oder zuckerreiche Lebensmittel.

Lebensmittel, die Milchsäurebakterien enthalten, wie Naturjoghurt und Buttermilch, aber auch Sauerkraut, unterstützen die Darmflora.

Du solltest außerdem genügend Flüssigkeit zu dir nehmen. Das sind in der Regel 1,5–2 Liter Wasser oder ungesüßte Tees täglich, bei Hitze oder sportlicher Betätigung kann es auch mehr sein. Die Verdauung fängt bereits mit dem Speichel im Mund an und deshalb ist gründliches Kauen wichtig, um dem Magen und Darm die Arbeit zu erleichtern. Auch Bewegung regt die Verdauung an und unterstützt so den Darm. Für eine geregelte Verdauung ist eine Routine wichtig. Versuche deshalb, regelmäßige Essenszeiten einzuhalten und dir für den Stuhlgang genügend Zeit zu lassen.

Der Begriff Darmflora (Mikrobiota, Mikrobiom des Darms) bezeichnet alle Mikroorganismen, die den menschlichen Darm besiedeln. Das sind bis zu 99 Prozent aller Bakterien, die im und auf dem menschlichen Körper leben. Lesen Sie mehr über die verschiedenen Darmbakterien, ihre Aufgaben sowie gesundheitliche Probleme, welche die Darmflora betreffen!

Was ist die Darmflora?

Die Darmflora ist die Gesamtheit aller Darmbakterien, die Teile des menschlichen Dickdarms (in geringer Menge auch den Enddarm) besiedeln. Der Begriff Darmflora kommt von der früheren Annahme, dass diese Ansammlung von Mikroorganismen zum Pflanzenreich gehört. Da aber die Bakterien in ein eigenständiges Reich (Protista) gehören, ist der Begriff Darmbakterien, intestinales Mikrobiom oder intestinale Mikrobiota die bessere Bezeichnung.

Der Großteil der Darmflora – mehr als 400 verschiedenen Darmbakterien-Arten – lebt im Dickdarm an der Darmwand). Ihre Anzahl wird auf etwa 10 Billionen geschätzt, ihr Gesamtgewicht, auf ungefähr eineinhalb Kilogramm.

Darmflora: Enterotypen

Abhängig vom jeweils dominierenden Bakterienstamm lassen sich grob drei verschiedene Typen von Darmflora unterschieden, so genannte Enterotypen (von lat. entero = Darm):

  • Enterotyp 1: enthält besonders viele Bakterien der Gattung Bacteroides, die Kohlenhydrate spalten und gute Produzenten für die Vitamine Biotin, Riboflavin und Pantothensäure sind
  • Enterotyp 2: enthält besonders viele Bakterien der Gattung Prevotella, die Zucker-Eiweiß-Komplexe abbauen und Vitamin B1 und Folsäure herstellen können
  • Enterotyp 3: enthält besonders viele Ruminococcus Bakterien, die sehr gut Zucker und Eiweiße verdauen können

Experten diskutieren, ob sich die Zusammensetzung der Darmflora gezielt und auf Dauer durch die Art der Ernährung (Ballaststoffgehalt etc.) beeinflussen lässt.

Entwicklung der Darmflora bei Kindern

Der Darm eines noch ungeborenen Kindes ist noch vollständig steril. Erst mit dem Geburtsvorgang beginnt seine Besiedelung mit Mikroorganismen: Bakterien der mütterlichen Darmflora gelangen bei einer natürlichen (vaginalen) Geburt über Mund des Babys in dessen Magen-Darm-Trakt, wo sie die kindliche Darmflora aufbauen und nach und nach ein stabiles Mikrobiom bilden.

Welche Funktion hat die Darmflora?

Die lebenswichtige Darmflora erfüllt verschiedene Aufgaben:

Die Darmbakterien unterstützen die Verdauung. Sie produzieren aus unverdaulichen Ballaststoffen, die mit der Nahrung aufgenommen werden, kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, Acetat und Propionat. Diese decken einen Großteil des Energiebedarfs der Dickdarmschleimhaut. Außerdem fördern die kurzkettigen Fettsäuren die Darmmuskulatur und spielen eine wichtige Rolle für die Beweglichkeit des Darms (Darmmotilität).

Die Darmflora produziert verschiedene Vitamine, die der Körper für sich nutzen kann (auch wenn im Dickdarm nur ein geringer Teil davon resorbiert werden kann). Es zählen dazu Biotin, Folsäure sowie die Vitamine B2, B12 und K.

Einige Darmbakterien können giftige (toxische) Substanzen neutralisieren, so zum Beispiel Nitrosamine und polyzyklische aromatische Wasserstoffe. Viele dieser Verbindungen gelten als krebserregend.

Manche Medikamente werden erst im Zuge der Verstoffwechselung durch die Darmflora in ihre aktive (wirksame) Form überführt. Das gilt etwa für Antibiotika aus der Gruppe der Sulfonamide sowie für den entzündungshemmenden Wirkstoff Sulfsalazin.

Die Darmflora ist extrem wichtig für die Immunabwehr. Die Darmschleimhaut hat eine Oberfläche von 300 bis 500 Quadratmetern und stellt damit die größte Grenzfläche des Körpers dar. Die siedelnden „guten“ Darmbakterien verhindern, dass sich krankmachende Keime ausbreiten und Darminfektionen auslösen können. Außerdem trainieren die Darmbakterien über spezielle Signalstrukturen den im Darm lokalisierten Teil des Immunsystems (darmassoziiertes Immunsystem)

Wo befindet sich die Darmflora?

Die Darmflora besiedelt vor allem den Dickdarm (Kolon). In geringer Menge finden sich Darmbakterien auch im Enddarm (Rektum).

Welche Probleme kann die Darmflora verursachen?

Solange die Darmflora-Bakterien im Darm bleiben, sind sie im Allgemeinen harmlos. Wenn sie jedoch von dort in andere Organe gelangen (etwa ins Blut oder bei Frauen in die Scheide), können sie Krankheiten hervorrufen.

Die Besiedlung des Dünndarms mit Darmbakterien ist gering. Das soll vermeiden, dass Nährstoffe aus der Nahrung wie Vitamin B12 von Darmbakterien verstoffwechselt statt über die Dünndarmschleimhaut in den Körper aufgenommen werden. Wenn durch operative Maßnahmen aber zum Beispiel blind endende Darmschlingen vorhanden sind, kann die Bakteriendichte im Dünndarm so stark ansteigen, dass durch den Vitamin-B12-Mangel eine Anämie entsteht.

Wird durch Medikamente die Ausschüttung von Magensäure gehemmt, etwa bei Sodbrennen oder Gastritis, kann dies mit der Zeit die Darmflora in ihrer Zusammensetzung stören.

Auch durch die Gabe von Antibiotika kann das Mikrobiom des Menschen durcheinander geraten. Es können dann einzelne Darmbakterien-Arten in ihrem Wachstum gehemmt und andere in ihrem Wachstum gefördert werden. Das Gleichgewicht der Darmflora geht verloren. Das Ergebnis können leichtere Symptome wie Durchfall, aber auch schwere Entzündungen im Dickdarm sein.

Werden die Bifidus- und Bacteroides-Darmbakterien, die das für die Blutgerinnung wichtige Vitamin K synthetisieren, durch Medikamente geschädigt, kann es zu einer Störung der Blutgerinnung kommen.

Bei gleichzeitiger Gabe von Antibiotika und Antikoagulanzien (Mittel zur Blutverdünnung), können starke Blutungen auftreten.

Die Zusammensetzung der Darmflora beeinflusst das Auftreten von Darmkrebs und anderer Erkrankungen. Mit Probiotika nehmen viele Menschen gezielt „gute“ Bakterien für den Darm (wie Milchsäurebakterien) ein, um ihre Darmflora zu stärken, etwa bei Durchfall. In genügend hoher Menge zugeführt, können Probiotika tatsächlich Durchfallerkrankungen durch Rotaviren vorbeugen sowie bei Durchfall helfen, der durch Strahlentherapie oder Antibiotika verursacht wird. Die als Probiotika zugeführten Bakterien siedeln sich aber nur bei regelmäßiger Einnahme in der Darmflora an. Wird die Einnahme beendet, verschwinden sie wieder und es stellt sich mit der Zeit wieder die frühere Darmenflora ein.

Verstehen Sie, warum der Darm so wichtig ist? Alles, was wir zu uns nehmen und das ist bei manchen Menschen nicht unbedingt  wenig aber auch die Qualität der Nahrung, der Getränke, Medikamente, Umwelteinflüsse und Gesellschaft tragen maßgeblich zur Darmgesundheit bei. Und das geht jedem Menschen auf diesem Planeten so.

Im nächsten Beitrag geht es um die Schilddrüse. Sie ist kaum erwähnt und doch so wichtig.

Anregungen zu weiteren Themen gern unter info@vita-Spirit.de.

Liebe Grüße

Madeleine Wirth

by Vita-Spirit